Galen, Kant und Bibelexegese

Drei Neuvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gefördert

(PresseBox) (Berlin, ) Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz hat am Montag beschlossen, neun Projekte neu in das Akademienprogramm aufzunehmen, wobei drei der Projekte Neuvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sind. "Dies ist ein wichtiger Erfolg für unsere wissenschaftliche Arbeit und stärkt entschieden die strategische Ausrichtung eines bedeutenden Teils unserer Forschungsvorhaben im Zentrum 'Grundlagenforschung Alte Welt' und ermöglicht die Edition eines Klassikers der deutschen Philosophie", sagte Akademiepräsident Günter Stock zur Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz.

Voraussetzung für die Aufnahme eines Vorhabens in dieses Programm ist, dass es von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischem Interesse ist. Eine besondere Auszeichnung des Programms ist, dass die Gesamtfinanzierung in Anlehnung an den Pakt für Forschung und Innovation um 5 Prozent aufgestockt wurde.

Die geförderten Neuvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sind:

- Die alexandrinische und antiochenische Bibelexegese in der Spätantike - Griechische Christliche Schriftsteller Durch kritische Editionen maßgeblicher Kommentare und Predigten zu alttestamentlichen Texten aus der Spätantike sowie vergleichende Untersuchungen soll ein zentraler Abschnitt der antiken Bibelauslegung erschlossen werden. Dadurch werden nicht nur Texte mit einer reichen Wirkungsgeschichte bis in die Neuzeit hinein erstmals in kritischen Ausgaben vorgelegt, sondern Forschungen zur Geschichte von Hermeneutik, Literaturwissenschaft, Philosophie und Theologie unternommen, die weit über den engen Bereich der Antikeforschung hinaus von Interesse sind und kulturelle Grundlagen Europas erhellen. Vorgesehene Laufzeit: 2011-2032 (22 Jahre)

- Galen als Vollender, Interpret und Vermittler der antiken Medizin Im Mittelpunkt des Vorhabens steht die Erforschung von Galens Werken und ihrer Rolle als entscheidender Instanz im medizinischen Wissenstransfer von der Antike in das Mittelalter und in die Neuzeit sowie zwischen Europa und dem Orient. Das geplante Vorhaben wird sich als selbständige Forschungseinrichtung eingehend mit der Edition, Übersetzung, Kommentierung und historischen Kontextualisierung Galenischer Werke befassen, die modular vier thematischen Feldern zugeordnet sind: a) Seelenlehre und Körpertopologie, b) Wissenschaftstheorie und der Kommentar als wissenschaftliche Ausdrucksform, c) Nosologie, d) Therapeutik.

Die Schriftenreihen CMG und CML, die als Referenzausgaben auf dem Gebiet der Antiken Medizingeschichte gelten, werden weiterhin Bestand haben und in digitalisierter Form auf die Bedürfnisse eines größeren, nicht ausschließlich philologisch ausgebildeten Leserkreises ausgerichtet werden. Ein wichtiges Element der Arbeit des geplanten Vorhabens wird auch in Zukunft die Kooperation von Orientalisten und klassischen Philologen sein. Vorgesehene Laufzeit: 2011-2034 (24 Jahre)

- Neuedition, Revision und Abschluss der Werke Immanuel Kants 2011-2022

Immanuel Kant zählt zu den "Klassikern der Philosophie". In Schulen und Universitäten gehört sein Werk zum Elementarprogramm der philosophischen Ausbildung, es steht in so gut wie allen historischen und systematischen Fragen der philosophischen Forschung im Zentrum der Aufmerksamkeit, und auch außerhalb der Wissenschaften ist der Einfluss dieses Denkers nicht zu übersehen.

Das Ziel des Vorhabens besteht in der Sicherung, Erschließung und Vergegenwärtigung eines ohne Zweifel bedeutsamen kulturellen Erbes: Das Vorhaben wird die Gesamtausgabe der Werke Kants zu einem endgültigen Abschluss bringen, indem zwei Abteilungen neu oder in revidierter Form herausgegeben, essenzielle Textlücken gefüllt. Damit wird die Ausgabe wieder das, was sie über einen langen Zeitraum war, aber leider zurzeit nicht mehr ist: nämlich die internationale Referenzausgabe für die wissenschaftliche Forschung. Mit diesem Ziel stellt das Vorhaben auch ein Paradigma für den Abschluss und die Revision einer Gesamtausgabe dar, die seit über 100 Jahren besteht, wobei die bisher mit der Ausgabe gemachten Erfahrungen einbezogen werden. Vorgesehene Laufzeit: 2011-2022 (12 Jahre)

Alle im Akademienprogramm geförderten Projekte sind in einem wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ausgewählt und zur Aufnahme in das Programm vorgeschlagen worden. Die Mittel für die Finanzierung des Akademienprogramms werden vom Bund und von den Ländern, in denen sich die Arbeitsstellen befinden, je zur Hälfte zur Verfügung gestellt.

"Im Akademienprogramm" - so Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften - "werden Projekte der Grundlagenforschung gefördert, die eine maximale Laufzeit von 25 Jahren haben. Dieses Programm ist für geisteswissenschaftliche Forschungsvorhaben insgesamt von unschätzbarem Wert und ist weltweit das Einzige dieser Art. Wir sind dem Bund und den Ländern außerordentlich dankbar für die Mittelzuweisungen zu diesen Projekten".

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