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DLM-Symposium zu Connected TV: Chance für Werbung, Aufgabe für nationale und europäische Regulierung

(PresseBox) (Berlin, ) Führende Vertreter aus Medien, Werbewirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Medienaufsicht haben gestern auf dem DLM-Symposium an die Medienpolitik appelliert, sich den Herausforderungen der hybriden Welt zu stellen. Es gebe einen großen gesetzgeberischen Handlungsbedarf, um verlässliche Rahmenbedingungen für neue Entwicklungen wie Connected TV zu schaffen.


RBB-Intendantin Dagmar Reim, VPRT-Präsident Jürgen Doetz und DLM-Vorsitzender Thomas Fuchs waren sich einig, dass man gemeinsam darauf hinwirken müsse, dass die Medienpolitik diese Forderungen auch auf ihre Agenda setzt. Angesichts der vielfältigen Veränderungen in den Medien müssten Ungleichgewichte beseitigt werden, um Handlungsspielräume der Inhalteanbieter zu erhalten und Chancengleichheit von Contentwirtschaft und Plattformbetreibern zu sichern.

Harald Trettenbrein aus der Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien der Europäischen Kommission bezeichnete die Medienregulierung als "fast moving target", das kontinuierlich angepasst werden müsse. Auf europäischer Ebene gehe es darum, die Rahmenbedingungen zu definieren, die Details seien dann eine nationale Aufgabe. Auch die großen internationalen Konzerne, die sich in Mitgliedstaaten niedergelassen haben, müssten sich im Übrigen an die EU-Regulierung halten.

Eine regulatorische Krise hatte zuvor Professor Nico van Eijk konstatiert, Direktor des Institute for Information Law an der Universität Amsterdam: Die aktuellen Regulierungsvorgaben auf europäischer Ebene ergäben ein Patchwork-Muster, das für Connected TV kaum geeignet sei. Connected TV brauche eine Regulierung, die sich an der entstehenden konvergenten "information delivery chain" orientiere, in der zwischen einer Informationsquelle und dem Nutzer verschiedene Transmissionsstufen und Rückkopplungsmöglichkeiten gegeben seien. In dieser neuen Wertschöpfungskette werde nicht zuletzt der Wahrung von Netzneutralität eine wesentliche Bedeutung zukommen.

Auch für die Werbewirtschaft wirft hybrides Fernsehen Regulierungsfragen auf: Thomas Langheinrich, Beauftragter für Programm und Werbung der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK), wies darauf hin, dass Connected TV es durchaus möglich mache, zwei unterschiedlich regulierte Inhalte gleichzeitig auf einem Fernsehschirm zu empfangen. Eine regulatorische Überprüfung auf europäischer Ebene sei nötig, so Langheinrich.

Jean-Pierre Fumagalli, CEO von smartclip, stimmte dem zu. Wenn der Markt durch internationale Player bestimmt werde, müsse sich die Regulierung ebenfalls länderübergreifend damit befassen. Die neuen Möglichkeiten für interaktive Werbung berührten auch Fragen des Datenschutzes, der ebenfalls nur dann wirken könne, wenn es darüber eine internationale Verständigung gebe. Die großen Player in der Online-Werbung seien weltweit tätig, allein auf Google entfielen in Deutschland Schätzungen zufolge rund 60 Prozent der Online-Werbeerlöse.

Martin Krapf, Geschäftsführer von IP Deutschland, betonte, dass hybride Medien der Werbewirtschaft neue Möglichkeiten eröffneten, die neben die bestehenden treten. In der zielgerichteten Ansprache spezieller Kundengruppen lägen große Chancen. Daneben gebe es aber unverändert Produkte, für die in großen Medien mit einem großen Publikum geworben werden müsse. Letztlich komme es darauf an, die Wünsche des Zuschauers zu berücksichtigen, auch in der Werbung.

Der Nutzer wolle mehr Inhalte und suche neben Informationen im Fernsehen auch das emotionale Erlebnis, betonte Dirk Fromm, CEO von PHD Germany. Er hatte zuvor in einer Keynote aufgezeigt, dass Fernsehwerbung durch Connected TV das Potenzial erhalte, sich zum Präzisionsmedium zu entwickeln, das Nutzer persönlich und zielgerichtet adressieren könne. Er bezeichnete "T-Commerce" als den "Verkaufskanal der Zukunft", mit dem Expertenschätzungen zufolge im Jahr 2020 bereits 50 bis 60 Milliarden Euro erlöst werden könnten.

Die Präsentationen des DLM-Symposiums können in Kürze auf der Seite www.dlm-symposium.org/de/dokumentation.html abgerufen werden.

Über das DLM-Symposium

Das DLM-Symposium "Connected TV: Medien und Regulierung in der vernetzten Fernsehwelt" fand am 22. März 2012 im dbb forum in Berlin statt.

Es wurde inhaltlich vorbereitet von der Medientage München GmbH und organisiert von der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Medienanstalten.

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten greift mit dem DLM-Symposium aktuelle medienpolitische Herausforderungen auf und diskutiert mit Vertreterinnen und Vertretern aus Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Positionen und Gestaltungsmöglichkeiten der Rundfunklandschaft.

Weitere Informationen unter www.dlm-symposium.org.

Über die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM)

Die DLM nimmt die Interessen der Mitgliedsanstalten auf dem Gebiet des Rundfunks auf nationaler und internationaler Ebene wahr. Sie behandelt gemeinsame Angelegenheiten außerhalb der Zulassungs- und Aufsichtsaufgaben, holt Gutachten zu Fragen ein, die für die Aufgaben der Mitgliedsanstalten von grundsätzlicher Bedeutung sind, und beobachtet und analysiert die Programmentwicklung. In der DLM arbeiten die Direktoren bzw. Präsidenten der 14 Landesmedienanstalten zusammen.

Vorsitz: Thomas Fuchs (Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein)

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