Kabelnetzbetreiber fordern Prüfung der Auswirkungen auf andere Übertragungswege vor Freigabe der digitalen Dividende

(PresseBox) (Bonn/Berlin, ) .
- Frequenzbereichszuweisungsplanver­ordnung vernachlässigt Untersuchung der Auswirkungen auf Breitbandkabelnetze
- Zwei Gutachten ergeben massive Beeinträchtigungen durch mobile Datendienste auf Rundfunkdienste im Kabel
- Vor Zuteilung der Frequenzen der digitalen Dividende für Datendienste müssen Auswirkungen auf andere Infrastrukturen geprüft werden

Die gestern vom Bundeskabinett beschlossene Verordnung zur Zuweisung von Frequenzbereichen für mobile Datendienste vernachlässigt aus Sicht der Kabelnetzbetreiber die vorherige Prüfung möglicher Störungen anderer Übertragungs­wege. Konkret sieht die beschlossene Frequenzbereichszuweisungsplanver­ordnung vor, dass der Bereich von 790 MHz bis 862 MHz zukünftig vorrangig zur mobilen breitbandigen Internetversorgung genutzt werden soll. Während die Verordnung störende Auswirkungen auf andere Rundfunkdienste als unzulässig ausschließt, fehlt jede Pflicht zur Untersuchung möglicher Störungen anderer Übertragungswege und vor allem der Endgeräte. Dazu Thomas Braun, Präsident der ANGA Verband Deutscher Kabel­netz­betreiber: "Bei dem derzeit durchgeführten Versuch zur digitalen Dividende in Wittstock/Dosse und dem angekündigten Pilotprojekt in Baden-Württemberg sollen jeweils die Auswirkung auf DVB-T untersucht werden. Die Folgen für die Rundfunk- und Daten­über­tragung im Kabel und auf die daran angeschlossenen Endgeräte werden unseres Wissens in keinem dieser Piloten untersucht. Damit bleiben Störpotenziale, die jeden zweiten Haushalt in Deutschland treffen könnten, unberücksichtigt." Bundesweit werden 19,6 Millionen Haushalte über Breitbandkabelnetze mit Rundfunk und zunehmend auch mit breitbandigen Internetzugängen und Telefonanschlüssen versorgt. Viele dieser Kabel­an­schlüsse sind heute bereits bis 862 MHz ausgebaut und übertragen Angebote im gleichen Frequenzbereich, der auch für mobile Datendienste verwendet werden soll.

Die in der ANGA organisierten Kabelnetzbetreiber begrüßen grundsätzlich eine flexible Nutzung der durch die digitale Dividende freiwerdenden Rundfunkfrequenzen, da sie eine Chance für bisher unversorgte ländliche Gebiete darstellen. Allerdings sind vor einer Zuweisung dieser Frequenzen an Betreiber, die Auswirkungen einer derartigen Nutzung auf andere Infrastrukturen und Rundfunkempfangsgeräte gründlich zu untersuchen. Dazu Thomas Braun: "Ein erster Test, den wir mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) ebenfalls in Wittstock/Dosse in Brandenburg durchgeführt haben, ergab erhebliche Beein­trächti­gungen des Empfangs von TV-Programmen und der Übertragung von Daten­signalen über die Kabelnetze. Durch die Signaleinstrahlung wurden die Set-Top-Boxen und Fernsehgeräte in ihrer Funktion massiv gestört. Hier müssen daher Untersuchungen durchgeführt werden, wie eine verträgliche Nutzung dieser Kabel-Frequenzen sicher­gestellt werden kann. Eine Beein­trächti­gung der Funktionalität des TV-Kabels ins­be­son­dere durch Störungen der Teilnehmergräte könnte die umfangreichen Investitionen der Kabel­­anbieter entwerten und den gewünschten Ausbau der Breitbandversorgung sowie den gesamten Infrastrukturwettbewerb gefährden."

Ein der ANGA seit kurzem vorliegendes Gutachten der Berufsgruppe "Kabel-TV" der Wirtschafts­kammer Österreich unterstützt die Messergebnisse der ANGA und des IRT. An die Politik wird daher die Forderung erhoben, vor der Freigabe dieser Frequenzen für mobile Datenanwendungen sämtliche notwendigen Untersuchungen durchführen zu lassen, damit ein störungsfreier Rundfunkempfang für Kabelkunden gewährleistet werden kann.

ANGA Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V.

Die ANGA vertritt die Interessen von 119 Unternehmen der deutschen Breitband­kabel­branche. Die Netze der in der ANGA zusammengeschlossenen Kabelnetzbetreiber versorgen insgesamt rund 18 Millionen Haushalte. Über Breitbandkabelnetze beziehen mehr als die Hälfte der deutschen Fernsehhaushalte ihre TV-Programme. Neben einem umfangreichen analogen und digitalen Fernsehangebot sind über Kabelanschluss auch interaktive Dienste, insbesondere Breitbandinternet und Telefonie verfüg­bar. Schon heute nutzen in Deutschland mehr als 1,85 Millionen Haushalte ihren Kabel­anschluss auch als breit­bandigen Internetzugang und rund 1,5 Million auch für Telefonie. Die Kabelnetz­betreiber der ANGA treiben damit den Infrastrukturwettbewerb um Breitbandzugänge und Triple-Play-Bündel aus TV, Internet und Telefonie entschlossen voran.

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