Psychologische Forschung zu Essstörungen ausgezeichnet

Freiburger Forschungsgruppe erhält den Christina Barz-Preis

(PresseBox) (Freiburg, ) Magersucht (Anorexia Nervosa), Ess-Brechsucht (Bulimia Nervosa) und andere Essanfalls-Störungen sind gravierende psychische Erkrankungen, die häufig chronisch verlaufen und mit schweren körperlichen Folgen einhergehen können. Prof. Dr. Brunna Tuschen-Caffier, Dr. Jens Blechert und Dr. Jennifer Svaldi vom Institut für Psychologie der Universität Freiburg wurden jetzt für ihre Forschung zu Essstörungen mit dem Christina Barz-Preis ausgezeichnet. Der mit 30.000 Euro dotierte Forschungspreis wird alle zwei Jahre für herausragende Forschung zur Früherkennung und zum Verlauf von Essstörungen verliehen. Die feierliche Preisverleihung fand vor kurzem auf einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin statt.

An Essstörungen leiden zumeist Mädchen beziehungsweise junge Frauen. Für die Wissenschaft ist es wichtig, zu verstehen, warum sich Essstörungen entwickeln, wodurch sie aufrechterhalten werden und wie sie am besten zu behandeln sind. Diesen Fragen hat sich die Arbeitsgruppe um Tuschen-Caffier zugewandt. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Forschung, bei der es unter anderem um ein besseres Verständnis von so genannten Körperschemastörungen bei Patientinnen mit Essstörungen geht. Typisch für diesen Problembereich ist, dass sich die Patientinnen dicker fühlen als sie tatsächlich sind und dass sie mit ihrem Körper unzufrieden sind oder ihn komplett ablehnen. Das Ausmaß der Körperschemastörungen ist für den Verlauf anorektischer und bulimischer Essstörungen von hoher Bedeutung. Auch deuten Längsschnittstudien an gesunden Mädchen und Frauen darauf hin, dass Probleme in der Körperwahrnehmung einen bedeutsamen Einfluss auf die Entstehung von Essstörungssymptomen haben.

Die Freiburger Arbeitsgruppe am Institut für Psychologie hat Prozesse der Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper ausgemacht, die einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung und Aufrechterhaltung solcher Körperbildstörungen liefern können. So neigen Patientinnen mit bestimmten Essstörungen zu ungünstigen sozialen Vergleichen, indem sie zum Beispiel ihre Aufmerksamkeit eher auf Personen richten, die ein geringeres Körpergewicht haben als sie selbst.

Darüber hinaus wurde die Arbeitsgruppe ausgezeichnet für ihre Forschung zu der Frage, ob Selbstwertprobleme im Zusammenhang mit der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Körperbildproblemen stehen. Es konnte gezeigt werden, dass bereits bei noch gesunden Frauen, die aber aufgrund ihres Verhaltens bereits als Risikogruppe für die Entwicklung von Essstörungen gelten, der Selbstwert eng mit dem Thema Körperbild beziehungsweise körperliche Attraktivität assoziiert ist. Auch diese Erkenntnisse werden sowohl in Programmen zur Vorbeugung der Entstehung von Essstörungen, als auch gezielt in die Psychotherapie von Patientinnen mit Essstörungen einfließen.

Ferner hat die Forschergruppe Studien zu der Frage durchgeführt, wie Patientinnen mit Essstörungen ihre Gefühle regulieren und ob diese Stile im Zusammenhang stehen mit Essproblemen. Es zeigte sich, dass das Unterdrücken von Gefühlen mit Symptomen von Essstörungen einhergeht.

Die Arbeitsgruppe um Tuschen-Caffier hat wichtige Erkenntnisse über die Mechanismen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen geliefert, die zur Optimierung von psychotherapeutischen Behandlungen wie auch Programmen zur Vorbeugung und Früherkennung von Essstörungen beitragen werden.

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erreicht in allen Hochschulrankings Spitzenplätze. Forschung, Lehre und Weiterbildung haben in Bundeswettbewerben das "Exzellenz"-Siegel erhalten. Mehr als 22.000 Studierende aus über 100 Nationen sind in 160 Studiengängen eingeschrieben. Etwa 5.000 Lehrkräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung engagieren sich - und erleben, dass Familienfreundlichkeit, Gleichstellung und Umweltschutz hier ernst genommen werden.

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