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AFG blickt nach schwierigem Jahr 2011 zuversichtlich in die Zukunft
- Leicht rückläufiger Umsatz im Geschäftsjahr 2011 wegen starkem Schweizer Franken und nachlassender Investitionsbereitschaft
- Bereinigte EBIT-Marge mit 3.0% knapp innerhalb der Erwartungen
- Stark und nachhaltig veränderte Marktbedingungen führen zu erheblichen Wertberichtigungen und einem Nettoverlust von CHF -70.2 Mio.
- Erste Erfolge der Reorganisationsmassnahmen stimmen für die Zukunft zuversichtlich
Die AFG, einer der technologisch führenden europäischen Bauausrüster, hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Der Umsatz ging hauptsächlich aufgrund der ungünstigen Wechselkursverhältnisse um 4.7% auf CHF 1347.4 Mio. zurück. Während die EBITDA-Marge von 8.6% auf 7.4% fiel und das EBITDA CHF 100.2 Mio. erreichte, konnte sich die AFG mit einer um Sonderfaktoren bereinigten EBIT-Marge von 3.0% innerhalb des Zielbandes halten. Effektiv ergab sich jedoch aufgrund des bereits früher angekündigten erheblichen Wertberichtigungsbedarfs ein EBIT von CHF -34.3 Mio. (Vorjahr CHF +47.5 Mio.) bzw. ein Nettoverlust von CHF -70.2 Mio. (Vorjahr CHF +14.2 Mio.). Verantwortlich für diese Entwicklung waren nötig gewordene Impairments von insgesamt CHF 73.0 Mio., die im Wesentlichen die Division Oberflächentechnologie und zu einem geringeren Teil auch die Divisionen Heiztechnik und Sanitär, Stahltechnik sowie die Corporate Services betreffen. Die AFG verfügt allerdings mit flüssigen Mitteln von CHF 249.6 Mio. und einer Eigenkapitalquote von knapp 40% nach wie vor über eine solide Bilanz. Auch das laufende Jahr wird noch von der Umbruchsituation geprägt sein, die eingeleiteten Verbesserungsmassnahmen werden sich erst in den Folgejahren positiv auf den Erfolg der AFG auswirken. Der Verwaltungsrat beantragt der kommenden Generalversammlung, auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten.
"Das Gesamtergebnis fällt zwar aufgrund der notwendig gewordenen bilanziellen Massnahmen ernüchternd aus", kommentiert der seit Juni 2011 amtierende CEO Daniel Frutig den Abschluss des vergangenen Geschäftsjahres. "Die operative Leistung in einem aus Wechselkursgründen und wegen steigendem Kosten- und Preisdruck sehr anspruchsvollen Umfeld kommt dadurch nicht richtig zum Ausdruck. Diese war insbesondere auch unter Berücksichtigung der eingeleiteten Überprüfungsmassnahmen deutlich besser, als es das Resultat zeigt." Das Geschäftsjahr 2011 war vor allem bedingt durch die Auswirkungen des starken Schweizer Frankens auf die Export- und Importpreise von zwei stark unterschiedlichen Jahreshälften geprägt. Während die AFG im ersten Halbjahr ein währungs- und akquisitionsbereinigtes Wachstum von 6.2% auswies, schrumpfte dieses im normalerweise stärkeren zweiten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 5.0%.
Zu dieser Entwicklung beigetragen haben auch das Auslaufen von Investitionsbeihilfen in Deutschland und die Verunsicherung der Märkte durch die sich zunehmend bedrohlicher gestaltende europäische Schuldenkrise. Beides führte zu einem deutlichen Nachlassen der Investi-tionsbereitschaft. Fehlende Produktionskapazitäten in einzelnen Werken und ein Kapazitätsüberhang in andern haben die Umsatz- und Kostenentwicklung ebenfalls belastet und gleichzeitig den Handlungsbedarf bezüglich der Überprüfung der Gesamtorganisation bestätigt. Diese Entwicklungen spiegeln sich unterschiedlich im Geschäftsverlauf der einzelnen Divisionen.
Die grösste Division Heiztechnik und Sanitär musste aufgrund der geringeren Nachfrage ausserhalb Deutschlands, namentlich in Grossbritannien (insbesondere bei Aqualux) und in anderen westeuropäischen Staaten, einen Umsatzrückgang hinnehmen. Vom Auslaufen der Konjunkturförderpakete in Deutschland war diese Division zudem am stärksten betroffen. Der Umsatz der Division fiel in diesem schwierigen Umfeld um 11.4% auf CHF 482.3 Mio., währungsbereinigt allerdings nur um 1.7%. Auch konnten angesichts des scharfen Wettbewerbes die höheren Materialkosten, insbesondere beim Stahl, nicht immer vollständig auf die Verkaufspreise überwälzt werden. Schliesslich führte die Produktionsverlagerung von Riesa (D) nach Stribro (CZ) vorübergehend zu längeren Lieferfristen und höheren Kosten. Dies führte trotz weiteren Prozessverbesserungen und Kosteneinsparungen zu einem im Vorjahresvergleich deutlich schwächeren EBIT von CHF 26.3 Mio.
Der Umsatz der Division Küchen und Kühltechnik blieb trotz der sich im Gange befindlichen und sowohl organisatorisch wie finanziell belastenden Restrukturierung nur knapp unter dem Vorjahresresultat. Er erreichte CHF 257.6 Mio., was einer Abnahme um 3.5%, währungsbereinigt um 2.4%, entspricht. Der Bereich Küchen litt insbesondere in den grenznahen Regionen und in grösseren Projekten unter den zunehmenden Importen von ausländischen Konkurrenzprodukten, die vom Wechselkurs profitierten. Produktionsprobleme bei Forster Küchen und die nicht genügend ausgelastete Produktion in Warendorf (D) belasteten den Geschäftsverlauf der Division zusätzlich. Diese Entwicklung und die Kosten der ergriffenen Korrekturmassnahmen widerspiegeln sich im unbefriedigenden EBIT von CHF -9.4 Mio.
Die stabile Baukonjunktur, die starke Ausrichtung auf den Heimmarkt Schweiz und die hohe Innovationskraft ermöglichten der Division Fenster und Türen eine leichte Umsatzzunahme um 0.3% auf CHF 406.4 Mio. Die Umsatzsteigerung in der Schweiz betrug rund 3.0%. Die Fensterproduktion im ausgebauten Werk Pravenec in der Slowakei nahm ihren Betrieb später auf als vorgesehen. Trotz dieser umsatzrelevanten Verzögerung und der weiterhin sehr wettbewerbsintensiven Marktsituation in der Slowakei und in Tschechien erwirtschaftete die Division vor allem dank ihrer starken Stellung im Schweizer Markt einen über Vorjahr liegenden EBIT von CHF 40.2 Mio.
Die Division Stahltechnik verzeichnete eine leichte Umsatzzunahme um 0.8% auf CHF 140.5 Mio. Die starke Marktstellung von Forster Profilsysteme in der Schweiz und in Deutschland ermöglichte es, die wechselkursbedingt schwächere Nachfrage in den übrigen europäischen Märkten und in den USA zu kompensieren. Der Automotiv-Bereich blieb umrechnungsbedingt allerdings deutlich unter den Vorjahresumsätzen. Der starke Einfluss der Wechselkurse auf die Produkte der ausschliesslich in der Schweiz produzierenden und zu 70.0% (Profile) bzw. 90.0% (Rohre) vom Export abhängigen Division schlug sich auch im Rückgang des EBIT auf CHF -5.8 Mio. nieder.
Die seit dem letzten Juli unter der Leitung von Dr. Hannes Schmüser stehende Division Oberflächentechnologie konnte sich umsatzmässig erneut steigern. Währungs- und akquisitionsbereinigt betrug die Umsatzzunahme 8.5%, effektiv 6.9%, was einem Jahresumsatz der Division von CHF 63.6 Mio. entspricht. Die neue Produktion im chinesischen Changshu soll im 2. Quartal 2012 in Betrieb genommen werden und ab Mitte 2012 zum Umsatz beitragen. Die mit dem Bau dieses Werkes und der Installation der Fertigungslinien verbundenen Aufwendungen und die wechselkursbedingt schwierige Wettbewerbssituation beeinträchtigten die Ertragslage trotz rigoroser Umsetzung der laufenden Kostensenkungsmassnahmen. Entsprechend resultierte ein unter Vorjahr liegendes EBITDA von CHF -1.3 Mio., auf Stufe EBIT ergab sich als Folge der hohen Wertberichtigungen ein Verlust von CHF -66.9 Mio.
Die um 27.2% auf CHF 18.0 Mio. gefallenen Umsätze des Bereichs Logistik sind bereits wesentlich von den Produktionsverlagerungen im Bereich Heiztechnik und vom Verkauf der europäischen Aktivitäten der Asta AG Arbon beeinflusst. Dieser Geschäftsbereich wird nach dem Ende Januar 2012 vollzogenen Verkauf auch der schweizerischen Aktivitäten zukünftig nicht mehr separat ausgewiesen, sondern als Kompetenzbereich Transport Logistik geführt.
Weiterer Abbau der Nettoverschuldung
Die Bilanzsumme hat als Folge der Wertberichtigungen auf CHF 1271.0 Mio. abgenommen (Vorjahr 1388.2 Mio.) und die Eigenkapitalquote glitt leicht von 41.8% auf 38.9% zurück, was entsprechend den Industriestandards allerdings immer noch eine solide Eigenkapitalbasis signalisiert. Auch unter den erschwerten Umständen gelang es, die Nettoverschuldung weiter auf CHF 167.5 Mio. (Vorjahr CHF 169.4 Mio.) abzubauen und trotz schleppender Umsatzentwicklung einen positiven Free Cashflow von CHF 12.8 Mio. zu erzielen. Dies bedeutet zwar einen erheblichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (CHF 59.7 Mio.), ist aber mit den wieder auf ein normales Niveau angehobenen Investitionen begründet, nachdem diese während der letzten beiden Jahre stark zurückgefahren wurden.
Das laufende Geschäftsjahr als Teil einer Übergangsperiode
Das schwierige Geschäftsjahr 2011 hat nicht nur Schwachstellen in der Ausrichtung und in den Abläufen aufgezeigt, sondern dank der energisch vorangetriebenen Überprüfung der gesamten Organisation auch zu Sofortmassnahmen geführt. Die letztes Jahr noch auf Umsätze und Erträge drückende Verlagerung der Heizkörper-Produktion von Riesa nach Stribro ist abgeschlossen, die erweiterte Fensterproduktion in Pravenec läuft im Vollbetrieb und die Kapazitätsprobleme bei EgoKiefer sind behoben. Im Geschäftsbereich Küchen wurde für die drei Küchenmarken Forster, Piatti und Warendorf eine integrierte Vermarktungsplattform für die Schweiz geschaffen.
Gleichzeitig wurde für die Forster Küchen- & Kühltechnik AG im Interesse einer klaren Zuordnung von Verantwortungen und Kompetenzen auf den 1. Dezember 2011 je eine selbstständige Führung für Forster Küchen und für Forster Kühltechnik etabliert. Aus denselben Gründen wie bei der Forster Küchen- & Kühltechnik AG werden seit dem 1. März 2012 auch die beiden Bereiche der Forster Rohr- & Profiltechnik AG von je einer eigenständigen Leitung geführt. Auch der Logistikbereich wurde nach dem Verkauf der Transportkapazitäten der Asta AG Arbon neu organisiert.
Neben diesen organisatorischen Massnahmen konnte im zweiten Halbjahr 2011 mit dem Leiter der Division Oberflächentechnologie, dem General Manager China und dem Head Corporate Procurement die Führungsmannschaft ergänzt werden. Schliesslich wird ab dem 1. April 2012 der Head of Global Operations konzernweit für Operational Excellence in allen Prozessen sowie für das Technologie- und Innovationsmanagement verantwortlich zeichnen.
Alle diese Massnahmen werden den einzelnen Divisionen und Geschäftsbereichen neue Impulse vermitteln sowie Kosten- und Verkaufssynergien ermöglichen. Weitere substanzielle Massnahmen im Rahmen der strategischen Neuausrichtung der AFG sind in Vorbereitung. Zu diesen gehört auch eine beschleunigte Entwicklung der internationalen Märkte, nicht zuletzt um die Abhängigkeit vom Schweizer Franken etwas zu dämpfen. Mittelfristiges Ziel bleibt ein Umsatzanteil von rund 40.0% in den Märkten ausserhalb der beiden Heimmärkte Schweiz und Deutschland.
Weitere messbare operative Fortschritte werden aufgrund der laufenden Überprüfung des Portfolios im laufenden Jahr sichtbar werden. Trotzdem wird auch das Geschäftsjahr 2012 durch die Umbruchsituation geprägt sein. Die ersten Früchte der grossen Anstrengungen zur Neuausrichtung des Unternehmens wird die AFG erst in den Folgejahren ernten können. Entsprechend wird der Verwaltungsrat der kommenden Generalversammlung beantragen, auf die Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2011 zu verzichten.
Über die AFG Arbonia-Forster-Holding AG
Die AFG ist ein technologisch führender Bauausrüstungskonzern, der durch innovative Lösungen und Services überzeugt und sich auch international erfolgreich durchsetzt. Die an der SIX Swiss Exchange kotierte AFG hat ihren Hauptsitz in Arbon, Kanton Thurgau (Schweiz). Weltweit ist sie mit rund 50 eigenen Produktions- und Vertriebsgesellschaften sowie mit Vertretungen und Partnern in über 70 Ländern aktiv.
Die fünf Divisionen, in welche die AFG gegliedert ist, widerspiegeln das Tätigkeitsfeld der Gruppe: Heiztechnik und Sanitär, Küchen und Kühltechnik, Fenster und Türen, Stahltechnik, sowie Oberflächentechnologie. Die Produktionsstätten befinden sich in der Schweiz, in Deutschland, England, Frankreich, Tschechien, in der Slowakei, in den USA und in China. In den Heimmärkten Schweiz und Deutschland hat die AFG eine führende Marktposition inne. Die Erschliessung neuer Märkte und die damit verbundene Internationalisierung sind das Ziel der Gruppe.
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