Bioenergie nachhaltig entwickeln

Internationaler Energy Farming Kongress von Diskussion über Nachhaltigkeitsverordnung geprägt

(PresseBox) (Werlte, ) Dass Bioenergie einen wichtigen Beitrag zum Begrenzen des Klimawandels leisten kann, ist weitgehend unstrittig. Kontrovers diskutiert wird jedoch über die nachhaltige Erzeugung von Biomasse. Der Schlüssel zum weiteren Ausbau der Bioenergie-Nutzung ist daher das Entwickeln und Umsetzen von Nachhaltigkeitskriterien bei der Produktion von Biomasse. Diese Thematik wird jedoch in Deutschland und der Europäischen Union unterschiedlich behandelt.

Dies zeigte sich auf dem dreitägigen Internationalen Energy Farming Congress. Vom 10. bis 12. März trafen sich 250 Wissenschaftler, Pflanzenzüchter, Politiker und Landwirte in Papenburg, um neue Lösungswege durch nachhaltig erzeugte Biomasse zur Strom-, Wärme-, Biogas- und Kraftstofferzeugung aufzuzeigen. Betrachtet wurden die internationalen Potenziale und Märkte für Biomasse.

Die Weiterentwicklung der Bioenergie in globalem Maßstab bietet gerade auch den Entwicklungsländern Chancen. Richtlinien sind jedoch notwendig, um ein zu schnelles Wachstum und eine nicht-nachhaltige Entwicklung zu vermeiden, betonte Prof. Dr. André Faaij, Professor für Energiesystemanalyse am Copernicus Institut der Universität Utrecht (Niederlande): "Eine Zertifizierung, die von einem international akzeptierten Rahmen ausgeht und auf der regionalen Ebene unter Mitwirkung aller Beteiligten entwickelt und angewandt wird, könnte hier ein guter Weg sein."

Derzeit widmen sich verschiedene Initiativen der Aufgabe, Nachhaltigkeitsanforderungen zu konkretisieren und Zertifizierungssysteme für Biomasse zu entwickeln. Bislang fehlte es aber an einem belastbaren System, diese Anforderungen zu garantieren. Besonders schwierig ist es, die Endprodukte bis zu ihrem landwirtschaftlichen Ursprung zurückzuverfolgen. Genau hier setzt das von der Kölner Unternehmensberatung Méo Corporate Development GmbH geleitete Projekt "International Sustainability and Carbon Certification" (ISCC) an.

Unterstützt vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) entwickelt Méo ein in der Praxis umsetzbares Zertifizierungssystem für Biomasse und Bioenergie. Das geschieht gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und deren Interessenverbänden. "In einer ersten Phase mit Zertifizierungen in einigen Ländern hat sich gezeigt, dass das ISCC-System in der Praxis geeignet ist und die Ergebnisse reproduzierbar und zuverlässig sind", sagte Dr. Jan M. Henke von der Méo Corporate Development GmbH auf einer Pressekonferenz am Rande der Veranstaltung.

Die geplanten Zertifizierungsbemühungen in Deutschland und Europa wurden von Dr. Gerd Carsten Höher vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung kritisch hinterfragt. Er wies darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsanforderung für jeglichen Anbau von Biomasse gelten müsse. Denn es besteht kein Unterschied, ob pflanzliche Biomasse für die Nahrungsmittel- oder Energieerzeugung produziert wird. Bei einseitig angewendeten Nachhaltigkeitsforderungen wäre so ein schnelles Ausweichen in den Nutzungsrichtungen bei entsprechendem Flächentausch die Folge. "Häufig wird bei den Zertifizierungsbemühungen auch übersehen, dass landwirtschaftliche Rohstoffe knapper werden", warnte Höher.

Damit es nicht zu Konflikten über steigende Lebensmittelpreise kommt, sollte der Einstieg in den Anbau von Biomasse schrittweise erfolgen, schlug Prof. Dr. André Faaij vor. Zugleich müsse die Produktivität der Landwirtschaft gesteigert werden. Außerdem gelte es, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Anforderungen des Marktes für eine Versorgung mit Biomasse und Biotreibstoffen und den Bedingungen für eine nachhaltige Produktion. "Dabei ist klar, dass nicht innerhalb kurzer Zeit alle Anforderungen wie der verantwortungsvolle Umgang mit dem Land oder die Biodiversität auf höchstem Niveau umgesetzt werden können", sagte Faaij. Für manche Bereiche - wie die umweltrelevanten Themen Landnutzung und Biodiversität - gibt es auch noch keinen Leitfaden. Faaij betonte: "Die Schwierigkeit ergibt sich auch aus der Vielzahl der Bedingungen, unter denen Biomasse produziert wird."

Dass eine Nachhaltigkeitsverordnung nur für Bioenergie-Rohstoffe allein nicht zielführend sein kann, erläuterte Dr. Gerd Carsten Höher. Dazu sei der Marktanteil mit zwei bis drei Prozent zu gering, den Rohstoffe für die Bioenergieproduktion derzeit einnehmen. Höher verwies darauf, dass es in Deutschland und den anderen Ländern der EU bereits tiefgreifende Regeln für eine nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Erzeugung gibt. Zusätzliche Auflagen zur Biomasseerzeugung lehnte er ab. Dass Vereinbarungen zur Zertifizierung nicht von heute auf morgen umzusetzen sind, ist auch Prof. Dr. André Faaij bewusst, der in diesem Zusammenhang auf das Beispiel der Forstwirtschaft verwies, wo die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien einen längeren Zeitraum in Anspruch nahm.

Bild: Stellten sich den Fragen der Presse (von links): Frans Debets, Bioenergie Noord Nederlande, Dr. Jan M. Henke, Méo Corporate Development GmbH, Dr. Gerd Höher, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium, Diskussionsleiter Martin Bensmann, Fachjournalist, Dirk de Boer, Dienst Landeljik Gebieden, Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hermann Wessels, Geschäftsführer der Ems Dollart Region (nicht im Bild: Dr. Andre Faaij, Copernicus Institut der Universität Utrecht, Niederlande)

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